Aktuell, Meinung 23.09.2013

Merkel alternativlos

Die Kanzlerin, auf ihre Hände reduziert - ein CDU-Wahlplakat am Berliner Hauptbahnhof. (c) Thomas Dämmrich
Die Kanzlerin, auf ihre Hände reduziert - ein CDU-Wahlplakat am Berliner Hauptbahnhof. (c) Thomas Dämmrich

Es kann gar keinen Zweifel daran geben, dass der Wahlsieg von Kanzerlin Merkel ihr ganz persönlicher Triumph ist, meint unser Kolumnist Rainer Buchardt. Doch der Sieg könnte zu einem Pyrrhussieg werden. Denn Merkel braucht nun einen willfährigen Partner.

Wenn ihre Lieblingsvokabel überhaupt einmal zutreffend ist, dann jetzt, denn Angela Merkel ist in der deutschen Politik – zumindest nach dieser Wahl – alternativlos. Es kann gar keinen Zweifel daran geben, dass, wie kaum ein zweites Mal nach Adenauer 1957, dieser Wahlsieg ihr ganz persönlicher Triumph ist. Die Deutschen sind auf „Nummer sicher“ gegangenen. Die Wohlfühlkampagne der Union hat verfangen. Es geht den meisten von uns  doch so unverschämt gut! Warum soll man das ohne Not ändern? Bei Adenauer hieß die Parole, für die Angela Merkel jetzt die reinste Personifizierung war: „keine Experimente“. Das brachte damals dem Alten aus Rhöndorf sogar die absolute Mehrheit, Merkel war jetzt kurz davor.

Das allerdings kann die ganze Sache zu einem Pyrrhussieg machen. Denn Merkel braucht einen willfährigen Partner. Dafür kommen nur die Wahlverlierer SPD oder die Grünen in Frage. Vorläufig gelten die Linken noch als die Schmuddelkinder im Parlament.

Und hier kann es in der Tat eng werden für die Union. Die von Merkel als „total unzuverlässig“ gebrandmarkten Sozialdemokraten sollen jetzt mit ihr gemeinsame Sache machen? Und das nach ihrem „Verzwergungskurs“ von 2005 bis 2009 mit der anschließenden Abstrafung durch das Wahlvolk. Da müsste sich Braut Angela aber gewaltig schmücken, also bis zur Selbstverleugnung ändern, vor allem in der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik.

Bequemer wäre für sie da schon eine Zweckehe mit den Grünen. Deren Gründergeneration, also die Trittins, Roths und Künasts, sind scharf auf Ministerposten. Da könnte doch was zu machen sein, zumal auch von den längst zur ganz normalen Partei mutierten Grünen sich eine Begründung mit staats- und europapolitischer Räson ausdenken ließe.

Völlig undenkbar erscheint dagegen eine von den Oppositionsparteien tolerierte Minderheitsregierung der Union. Das würde sehr schnell auf Neuwahlen hinauslaufen. Angeblich soll es bei SPD auch Überlegungen geben, vorerst in die Große Koalition einzusteigen, um dann nach zwei Jahren die Regierung platzen zu lassen, um mit einer dann salonfähig erscheinenden Linken und den Grünen die Kanzlerin herauszufordern.

Vorläufig ist nur eines sicher: Die nächsten Tage und Wochen werden spannend wie selten zuvor in der deutschen Politik.

Rainer Burchardt

Rainer BurchardtRainer Burchardt, Dozent und Publizist, Rundfunkjournalist seit 1969, Korrespondent in Brüssel, Bonn, Genf und London. Chefredakteur des DLF von 1994 bis 2006, Honorar-Professor an der Hochschule Bremen, Lehrbeauftragter HS Kiel.

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